Sterben Bücher aus? E-Books und die Zukunft des geschriebenen Wortes

Während die Menschen bis vor ein paar Jahren noch ihre Nase in Bücher steckten, hat das Smartphone, E-Book-Reader und andere elektronische Medien diese Beschäftigung weitestgehend abgelöst. Woran liegt es, dass wir immer weniger Bücher lesen? Wird dieses Medium bald aussterben? Und wäre das so schlimm?
Sterben Bücher aus? E-Books und die Zukunft des geschriebenen Wortes
© Artem
Erstellt von LAS-Redaktion vor 5 Monaten
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Die Angst vor neuen Medien ist nicht neu

Als im frühen 16. Jahrhundert der Buchdruck erfunden wurde, sagten Kritiker den Untergang allen Wissens voraus: Verdummung und Verderb, Propaganda und Verschwörung gefährde die Gesellschaft.

Klingt das nicht in etwa genauso wie die Bedenken, die heute gegenüber dem Internet, Smartphone und Co. geäußert werden? Damals wurde gegen Bücher und “Massentexte” als Teufelswerk gewettert, ja sie wurden sogar verboten. Heute hat dieses Medium eine gewisse Nostalgie inne, es wird geradezu romantisiert.

Lesen wir wirklich weniger?

Die Annahme, dass wir weniger lesen, stimmt nur teilweise. Eigentlich lesen wir nur anders. Mit Sicherheit lesen wir im Durchschnitt weniger physische Bücher, durch das Smartphone als unseren alltäglichen Begleiter lesen wir aber so gut wie ständig, auch wenn es nur die Feeds unserer sozialen Netzwerke, Chat-Nachrichten oder hier und da ein Spiegel-Online-Artikel ist.

Definitiv zu beobachten ist, dass sich die Aufmerksamkeitsspanne in einer schnelllebigen Zeit deutlich verringert und Menschen durch allgegenwärtige Ablenkungen einer Beschäftigung viel weniger Zeit widmen. Oder mehr noch: Multitasking betreiben und zwischendurch lesen oder mit Hörbüchern ganz nebenbei Schriftwerke konsumieren.

E-Books als neues Medium - Vor- und Nachteile

Vor ein paar Jahren kamen dann E-Book-Reader auf den Markt. Statt einem einzigen 1000-seitigen Schinken kann nun eine ganze mobile Bibliothek einfach überall hin mitgenommen werden. Auch wenn eine Heimbibliothek natürlich ein Wohlfühlfaktor und dekorativ ist, nehmen E-Books dafür keinen Platz im Regal weg. Auch entfällt der Gang in den Buchladen oder das Warten auf die Lieferung, ein direkter Download mit elektronischer Bezahlung macht’s möglich.

Ein häufiger Kritikpunkt ist, dass das Haptische, die sinnliche Erfahrung fehlt. Sicherlich ist es auch um einiges intuitiver, schnell einen Stift zur Hand zu nehmen, statt Notizen digital einzutragen oder schnell in großen Abständen zu blättern statt sich durchklicken zu müssen.

Dem entgegenzuhalten sind Funktionen wie Worterklärungen und Übersetzungen, die direkt per Tipp auf ein Wort erscheinen und damit das physische Wörterbuch oder die Google-Suche überflüssig machen. Ebenso praktisch ist die Suchfunktion, durch die sich bestimmte Stellen ganz einfach wiederfinden lassen.

Eine neue Entwicklung des Buchmarktes

Eine Konsequenz von E-Books, die nicht direkt bei denjenigen liegt, die die Bücher lesen, sondern denjenigen, die sie schreiben: Genauso wie dank des Internets nicht mehr unbedingt eine Plattenfirma zur Musikveröffentlichung notwendig ist, so braucht es auch nicht mehr zwingend einen Verlag, um ein Buch zu veröffentlichen.

E-Books machen den Einstieg für Autor*innen viel leichter, was automatisch bewirkt, dass möglicherweise nicht einmal weniger, sondern mehr Bücher geschrieben, und damit vielleicht auch gelesen werden. Und dies ist doch nicht nur für Schreiber*innen eine gute Nachricht, sondern eine gesamtgesellschaftliche positive Entwicklung.

Sterben Bücher aus?

Dem Buch geht es also wie so vielen Medien: Dass es ausstirbt, ist eher unwahrscheinlich. Viel mehr zeugen E-Books und Hörbücher von einer Weiterentwicklung des Buches und einer Umdeutung von Medien, die aufgrund menschlicher Neugier und dem Bedürfnis nach Unterhaltung wohl nie ganz verschwinden, sondern nur anders verwendet werden.

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