Was ist Ghostwriting?

Ghostwriting nennt sich die anonyme Texterstellung durch einen Ghostwriter mit anschließender Veröffentlichung der Arbeit unter einem anderen Autorennamen. Die Motive des Einsatzes können genauso vielseitig sein, wie auch die Einsatzbereiche in denen Ghostwriter zum Einsatz kommen.

Oft hört und liest man vom Ghostwriter oder vom "Ghost". Dem anonymen Schreiber eines Textes, der im Hintergrund bleibt und andere die Lorbeeren seiner Arbeit ernten lässt. Wesentlich seltener wird jedoch das eigentliche Ghostwriting und der Schreibprozess betrachtet. Im Folgenden soll daher mehr auf das Ghostwriting und damit die eigentliche Texterstellung eingegangen werden.

Worauf es beim akademischen Ghostwriting ankommt

Unrühmliche Bekanntheit erreicht die Branche immer wieder durch akademisches Ghostwriting und die Erstellung von Hausarbeiten, Bachelorarbeiten und Co. Doch was unterscheidet das Ghostwriting von der herkömmlichen Texterstellung?

Im Rahmen einer schulischen und akademischen Laufbahn kommt jeder früher oder später in die Situation, eine umfangreiche Hausarbeit, Seminararbeit, Bachelorarbeit oder sogar Dissertation anfertigen zu müssen. Jede dieser Epochen bringt ein neues Qualitätsniveau mit sich. Die gestellten Anforderungen und das Leistungsniveau steigen mit jeder erstellten Arbeit an.

Das professionelle Ghostwriting lässt sich nun anhand zwei wichtiger Faktoren erkennen. Zum einen natürlich die verständliche und auch korrekte Hinführung zum Arbeitsfazit. Alles andere nützt natürlich nichts, wenn etwa das Thema nicht abschließend behandelt werden kann, falsche Schlüsse gezogen werden oder ganz schlicht an dem Thema vorbei gearbeitet wird. Daher haben die meisten Ghostwriter einen praxisrelevanten Berufsabschluss. So hat der klassische BWL Ghostwriter, oft auch ein BWL Studium absolviert. Bzw. bringt der klassische Medizin Ghostwriter entsprechende Erfahrung in diesem Bereich mit, und hat sich so bereits die fachtypische Ausdrucksweise aneignen können.

Ein professioneller Ghostwriter weiß, wie man sich schnell und effizient in ein Sachgebiet einarbeitet und die notwendigen Informationen zielsicher zusammenträgt. Die Tätigkeit als Ghostwriter hebt die Texterstellung auf einen Level, in dem der Preis als Ausdruck der Zeitintensität maßgeblich ist. Jedes Projekt hat ein Zeitlimit, wird dieses überschritten, wird es schnell nicht mehr rentabel. Das Abschätzen dieses Zeitaufwandes und das Einhalten der sich selbst gesetzten und auch versprochenen Deadline ist ein wesentliches Kriterium.

Doch wo ist nun der Unterschied, zwischen der Texterstellung als Autor und der Texterstellung als Ghostwriter? Beim Ghostwriting stellt sich nicht nur die eigentliche Frage nach der optimalen Struktur und dem Inhalt einer Arbeit. Vielmehr stellt sich die Frage nach der optimalen Struktur der Arbeit unter der Nebenbedingung, dass der eigentliche Stil des Auftraggebers gewahrt bleiben kann. Ein geschulter Leser erkennt seinen Lieblingsautor nicht nur an dem Autornamen auf dem Titelcover, sondern auch an seinem eigenen und individuellen Schreibstil.

Dabei gilt es die fachlichen Eigenheiten zu berücksichtigen, so ist der Jargon eines Jura Ghostwriters anders als der des VWL Ghostwriters. Auch die persönliche Note ist von Bedeutung. An der Art und Weise wie Sätze geformt werden. Wie Absätze aufgebaut sind und Sachverhalte erklärt werden.

Getreu dem Motto, dass ein Text mehr ist, als die Summe seiner Wörter, trennt sich an diesem Punkt der weniger gute von dem guten Ghostwriter, dem es gelingt, diesen Stil einzufangen und zu reproduzieren. Auch die Qualität eines Lektorats, Korrektorats oder einem Coaching wird in großen Zügen dadurch bestimmt, inwieweit der Lektor oder Coach die Eigenheiten des Auftraggebers umzusetzen weiß.

Ghostwriting bedeutet sich dem individuellen Schreibstil anzupassen

Dies fängt bei einfachen Zusammenhängen an, wie der Verwendung bestimmter charakteristischer Füllwörter oder der durchschnittlichen Länge eines Satzes oder Absatzes. Aber auch bei weniger trivialen Zusammenhängen hat jeder Schreiber, oft völlig unterbewusst, ganz eigene Züge entwickelt.

In welcher Zeitform schreibt man, nutzt man passive oder aktive Formulierungen, verwendet man kurze und prägnante Sätze oder entscheidet man sich lieber für einen ausschweifenden Erklärungsstil? Werden Sätze so aufgebaut, dass diese sich rückbeziehen oder folgt man einer einfachen chronologischen Linie? Diese und weitere Details, gilt es als Ghostwriter zu klären, um den Stil des Auftraggebers auch wirklich nachempfinden und fortführen zu können.

Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang bei Übersetzungen in andere Sprachen oder dem akademischen Ghostwriting in Englisch oder Spanisch. Ein vom Muttersprachler verfasster Text, unterscheidet sich von dem eines Sprachschülers erheblich. Nicht nur im Satzaufbau und den verwendeten Vokabeln, sondern auch an möglichen, tiefergehenden Anekdoten, die aus der Sicherheit des Umgangs mit einer Sprache resultieren. Soll der Eindruck bestehen bleiben, dass der Schüler diesen Text verfasst hat, muss der Ghostwriter diesen „einfacheren“ Stil adaptieren, um ein authentisches Resultat zu erzeugen.

Ein weiteres Extrembeispiel ist der veröffentlichte Text einer staatlichen Behörde, den man einer Boulevard-Zeitung gegenüberstellt. Beide stellen elementar verschiedene Anforderungen an den Schreiber.

Quellen und nützliche Links

Klinghammer, Wolfgang (2007); Handbuch Ghostwriting: Marktumfeld und Arbeitstechniken
Müntefering, Michelle (2010), Das Ich und der Andere, www.sueddeutsche.de/kultur/beruf-ghostwriter-das-ich-und-der-andere-1.71272