Die Müllhalde des Menschen: das Meer

Erstellt von amonahan vor 3 Jahren
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So langsam kommen wir nicht mehr um das Thema herum: die menschengemachte Vermüllung der Erde. Auch Klimawandelleugner und Wegwerfgesellschaftssympathisanten können Müllstrudel von der Größe Mitteleuropas in den Weltmeeren nicht mehr verharmlosen oder gar gut reden. Das Meer ist zur Müllhalde des Menschen geworden. Das Einzige, was noch funktioniert, um sich nicht mit der Thematik zu befassen, ist das Wegschauen. Ich möchte in diesem Artikel zusammentragen, warum es verheerend wäre, das weiterhin zu tun.Mehr Plastik im Meer als Fische?Ab zu großen Zahlen reicht das Vorstellungsvermögen des Menschen überhaupt nicht mehr aus, um zu begreifen, welche Mengen an Verpackungsmüll in den Meeren ihr Unwesen treiben. 10 bis 13 Mio. Tonnen, das klingt viel – ist es auch. Man kann es sich nämlich so vorstellen, dass in jeder Minute (!) ein Müllwagen seinen Inhalt im Meer entleert, und durch die boomende Verpackungsindustrie ist die Tendenz steigend. Wenn sich nicht grundlegend etwas ändert, werden im Jahr 2050 voraussichtlich mehr Plastikpartikel im Meer schwimmen als Fische.Das sichtbarste und mitleiderregendste Problem ist wohl die Bedrohung der Meerestiere. Die marine Artenvielfalt ist groß und groß ist auch die Vielfalt der Gefahren. Wale, Delfine, Seehunde und Schildkröten verfangen sich in alten Fischernetzen und verletzen sich beim Befreiungsversuch, Vögel halten Verpackungen für Nahrung und verhungern mit einem Magen voller Plastik und einem verstopften Verdauungstrakt – so häuft sich die Zahl der tierischen Todesopfer auf ca. 135 000 Meeressäuger und ca. eine Mio. Meeresvögel. Bis 2050 könnte jeder Meeresvogel Plastik im Magen haben.Aber wie kommt dieses viele Plastik überhaupt ins Meer?Und warum müssen wir in einem fortschrittlichen Land mit Recyclingsystem wie Deutschland darüber reden?Es stimmt, dass das größte Müllproblem Länder ohne Abfallsystem darstellen; vor allem in Südostasien sind viele ungesicherte Deponien anzutreffen, aus denen ganze Plastikmüllströme ins Meer fließen. So konnte z. B. der sogenannte Great Pacific Garbage Patch im Nordpazifik entstehen: ein Müllstrudel (hydrografischer Wirbel), der inzwischen eine Fläche vergleichbar mit der von ganz Mitteleuropa erreicht hat.Dennoch ist Deutschland nicht fein raus. Auch hier gibt es Strände, von denen der Müll direkt ins Meer geweht oder getragen wird – in der Regel sind das vor allem Plastiktüten, Plastikflaschen und Zigarettenkippen. Und auch so konnte sich auf dem Grund der Nordsee ein Müllberg von ca. 600 000 Kubikmetern ansammeln – was ungefähr das Anderthalbfache des Kölner Doms ist.Klein, aber oho: MikroplastikAußerdem sind es nicht nur Verpackungen, die den Plastikgehalt des Meeres steigen lassen. Auf dem Weg vom Abfluss über die Flüsse und über die Luft gelangen Millionen von Mikroplastikpartikeln ins Meer, ohne dass dieses Phänomen zunächst entdeckt wurde. Inzwischen ist bekannt, dass diese winzig kleinen, nicht sichtbaren Partikel z. B. durch Reifenabrieb entstehen und in Kunststofftextilien und Kosmetika zu finden sind. Beim Waschen lösen sich z. B. aus Polyester Synthetikfasern, gelangen ins Wassersystem und können von Kläranlagen nicht gefiltert werden. Und auch über den Abfluss in Dusche und Waschbecken wird reichlich Mikroplastik gespült: Es ist in Duschgels, Shampoos, Peelings und Zahnpasta anzutreffen.Beim Zersetzungsprozess des Plastiks entstehen außerdem Giftstoffe, die in den Hormonhaushalt von sowohl Tier als auch Mensch eingreifen (z. B. Bisphenol A und Phtalate), die nicht nur z. B. Muscheln und Korallen schädigen, sondern letztlich auch in die Nahrungskette des Menschen gelangen werden.Was aber können wir konkret tun?Das Wichtigste, wie immer, ist: Bewusstsein schaffen. Nicht mehr wegsehen. Dann ist man auch gleich viel motivierter für die nächsten Schritte, für die als Beispiele ein paar Ideen folgen sollen.

  •     Versucht, auf Einwegplastik, das nicht zu 100 % recycelt wurde und das nur für wenige Minuten oder gar Sekunden verwendet wird, zu verzichten. In Supermärkten gibt es immer mehr lose Gemüse- und Obstprodukte, die man entweder lose oder mit wiederverwendbaren Netzen transportieren kann. Ihr könnt außerdem schauen, ob es in eurer Umgebung einen Unverpackt-Laden gibt.
  •     Frischhalte- und Alufolie ist natürlich bequem zu nutzen, aber ganz einfach durch Dosen, Boxen, Gläser oder Bienenwachstücher (erhältlich z. B. über Avocadostore, Waschbär oder BigGreenSmile [unbezahlte Werbung] oder im lokalen Unverpackt-Laden) zu ersetzen.
  •     Anstelle von To-Go-Gefäßen und Bäckertüten können eigene Boxen, Taschen, Becher und Gläser verwendet werden, und wenn man z. B. nicht auf einen Strohhalm verzichten möchte, lohnt sich die Anschaffung eines Exemplars aus Edelstahl, Glas oder Bambus (z. B. über Avocadostore [unbezahlte Werbung]).
  •     Ein kleiner Tipp noch zum Thema To Go: Sollte es wegen Hygienevorschriften nicht funktionieren, dass ihr euer Essen oder Trinken direkt in euer Gefäß gefüllt bekommt, könnt ihr es »auf die Hand« bestellen und dann selbst umfüllen. Redet einfach mit den Restaurantbesitzern und schildert euer Anliegen. Natürlich geht das nur, wenn ihr nicht in Eile seid. Aber wenn ihr gerade in Eile seid und direkt z. B. eine Backware essen möchtet, lasst sie euch doch einfach direkt auf die Hand geben, ganz ohne Tüte.
  •     Achtet auf die Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten, Waschmitteln und Weichspülern. Grundsätzlich kann man es sich einfach machen, wenn man Naturkosmetikprodukte kauft, da solche auf synthetische Polymere verzichten. Naturkosmetikhersteller sind z. B. Lavera, Dr. Hauschka, Logona, Speick, Sante, Primavera, Benecos, Alterra, Weleda, Alverde und Terra Naturi – da gibt es also reichlich Auswahl und auch preiswerte Drogerie-Eigenmarken (Alverde von dm, Alterra von Rossmann und Terra Naturi von Müller) [unbezahlte Werbung].
  •     Beim Kleiderkauf könnt ihr darauf achten, keine Produkte mit Polyester, Polyamid, Polyacryl, Nylon, Elastan und Mikrofaser zu kaufen, sondern Wert auf z. B. Baumwolle, Leinen, Hanf, Wolle und Seide legen.
  •     Wenn ihr im Urlaub am Meer seid: Lasst keinen Müll liegen, und wenn ihr besonders on fire seid, sammelt ihr sogar welchen auf, den ihr herumliegen seht. (Das gilt aber natürlich auch ganz grundsätzlich.)
  •     Und als letzter Tipp: Unterstützt Re- und Upcycling von Müll. Gebrauchsgegenstände aus Materialien, die bereits im Umlauf sind, zu kaufen, ist an sich schon eine gute Sache. Wenn für die Herstellung aber auch noch Müll aus der Natur geborgen und weiterverwendet wird – umso besser. Beispiele sind hier Yoga-Hosen aus Plastikflaschen von teeki, Taschen aus alten LKW-Planen von kultbag und Rucksäcke aus Meeresplastik von GOT BAG [unbezahlte Werbung].

Ich hoffe, ich konnte einen Überblick zum Thema Plastikmüll im Meer geben, ein wenig Klarheit schaffen und zum Handeln motivieren. Jeder kleine Schritt zählt! Quellen: NABU, WWF, Utopia, Unverpackt Mainz, Allyouneedfresh

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