Wolfram Leibe ist neuer Oberbürgermeister – CDU versinkt in Trauer

TRIER. Der Trierer Oberbürgermeisterwahlkampf ist zu Ende. Denkbar knapp entschied SPD-Kandidat Wolfram Leibe am Abend das Rennen um das höchste Amt der Stadt für sich. Der letzte Stimmwahlbezirk gab nach einem langen Hin und Her der Ergebnisse den Ausschlag. Die Sozialdemokraten feiern zur Stunde vor allem sich selbst. Die CDU stürzt in ein tiefes Loch der Fassungslosigkeit.

Erstellt von Yvo0407 vor 9 Jahren

Am Ende reichte es mit 111 Stimmen Vorsprung für den sozialdemokratischen Kandidaten und Verwaltungsprofi Wolfram Leibe. Am Trierer Augustinerhof war die Spannung während der Auszählung kaum auszuhalten. Um 19.10 Uhr stand dann der Sieger fest. Zwischenzeitlich überschlugen sich die Ereignisse. Vorsprung Leibe – Aufholjagd Zock – Gleichstand, jedes einzelne Ergebnis aus den 72 Stimmbezirken wurde ganz genau beobachtet.

Ausschlaggebend war dann der 73. Stimmbezirk. Der nämlich, unter dem sämtliche Stimmen zusammengefasst sind, die im Laufe der vergangenen Woche bereits direkt im Rathaus abgegeben wurden. Generell bewegte sich die Wahlbeteiligung jedoch auf einen traurigen Negativrekord. Nur 30,4 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Im Ratssaal selbst wurden diese Stimmen bis zuletzt ausgezählt, während vor der Tür die Anhänger der beiden Kandidaten mitfieberten. “Wolfram, Wolfram”-Rufe feierten im Anschluss den Sieger.

“Ich glaube, dass es uns letztendlich besser gelungen ist, die Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren”, erklärte Leibe seinen knappen Vorsprung. Die Spekulationen im Vorfeld waren riesig. Wie würden sich vor allem diejenigen Wähler entscheiden, die im ersten Wahlgang noch Grünen-Kandidat Fred Konrad unterstützt hatten? Auch die zwischenzeitliche Anbandelung zwischen CDU und Grünen, die für ihre zukünftige Zusammenarbeit im Stadtrat eine Art Kooperationsvereinbarung geknüpft haben, galt als Einflussfaktor. “Das hat uns sicherlich nicht geschadet”, betonte SPD-Kreisvorsitzender Sven Teuber im Nachgang.

Auf der anderen Seite: Unendliche Trauer. Die Trierer CDU hatte sich mit Kandidatin Hiltrud Zock und deren Anhängerschar aus dem Rathaus schnell ins Casino am Kornmarkt aufgemacht. Dort war eigentlich eine riesige Wahlparty geplant. Doch die Trauer und das Entsetzen war den Christdemokraten deutlich ins Gesicht geschrieben. “Ich hätte selbst nicht mit diesem Ausgang gerechnet”, gestand die geschlagene Kandidatin ein.

CDU-Kreisvorsitzender Bernhard Kaster erklärte: “Das ist ohne Frage eine bittere Enttäuschung, da will ich gar nicht drumherum reden.” Kaster und sein enger Vertrauter, Fraktionschef Dr. Ulrich Dempfle, hatten Zocks Kandidatur im vergangenen Jahr aus der Taufe gehoben. “Ich habe es keine Minute bereut, dich gefragt zu haben. Es ist immer noch eine hundertprozentig richtige Entscheidung gewesen”, beschwichtigte er seine unter Tränen aufgelöste Kandidatin.

Tränen auch bei der Wahlparty der SPD im Handelshof – Freudentränen. Die Genossen feiern sich zur Stunde selbst. “Wir haben es aus eigener Kraft geschafft. Das ist eigentlich unglaublich”, jubelte Kreisvorsitzender Sven Teuber. Und spielte damit auf die mögliche Unterstützung der CDU durch die Grünen an. Mit von der Partie war auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer: “Trier ist eigentlich eine konservative Stadt. Dieser Sieg ist also ein doppelter Sieg.”

Für die CDU heißt es nun nach vorne schauen. Internen Kreisen zufolge soll der eigentlich für das Frühjahr angesetzte Parteitag des Kreisverbandes vorverlegt werden. Dort soll die politische Verantwortung verteilt und entsprechende Konsequenzen gezogen werden. Für die SPD wird es trotz Wahlsieg nicht leicht. Ihr bleibt der Chefsessel – doch die Fäden im Stadtrat ziehen andere. Es wird die wohl größte Bewährungsprobe für den neuen Oberbürgermeister Wolfram Leibe, sich in dieser Konstellation zu behaupten.

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