Eine ernüchternde Bilanz zum Bachelorstatus:

Die Studie im Frühjahr 2015, die die Deutsche Industrie und Handelskammer zum Stand des Bachelorabschlusses in der deutschen Wirtschaft vorlegte, ist ernüchternd: Waren im Jahr 2007 immerhin noch 67 Prozent und 2011 noch 63 Prozent der Unternehmen mit den Bachelor-Studenten zufrieden, so sank die Zahl im Jahr 2015 auf 47 Prozent. Die Erwartungen, die die Arbeitgeber an die Berufseinsteiger stellen, bleiben mehr und mehr unerfüllt. Woran liegt das?

Als Grund nennen die meisten Unternehmen den fehlenden Praxisbezug. Dieser trete vor allen Dingen in den Sektoren des Tourismus, der Serviceleistungen und im Gesundheitswesen auf – als Grund nennt der DIHK-Präsident Eric Schweitzer den Trend zur Überakademisierung. Immer mehr junge Menschen wollen Studieren – die Abbrecherquote in den ersten Semestern liegt allerdings bei über 30 Prozent – immer weniger Abiturienten entscheiden sich dementsprechend für den dualen Ausbildungsweg. Angesichts der praxisorientierten Branchen ja sicherlich auch keine schlechte Idee.

Schweitzer selbst ist dafür, das Studienangebot wieder deutlich zu verknappen und strengere Zulassungsbeschränkungen zu erlassen. Da wird der Ruf nach einer intellektuelle Elite laut. Wer aber kann garantieren, dass die dann nicht am Ende des Studiums und tonnenweise Fachliteratur ebenso wie der Ochs vorm Berg steht und auch nicht genau weiß, was der Arbeitgeber da eigentlich von ihnen will?

Was kann man als Bachelorstudent nun tun?

Natürlich muss man sich vorher ganz überlegen, warum man studieren will und wofür man sich interessiert. Nach der Schule ist dies der erste grundlegende Schritt in die Zukunft. Aber woher soll man wissen, was einem im Studium erwartet, und welche Leistungen erbracht werden sollen? Wer kann schon von sich behaupten, von heute auf morgen eine wissenschaftliche Arbeit schreiben zu können zum Thema „Führungspersönlichkeiten von heute?“ Und wo lernt man so was überhaupt?

Für viele ist das ein echtes Problem, hinzu kommt, dass dann nach dem ersehnten Bachelorabschluss das nächste große Rätsel zu knacken ist: die Arbeitswelt. Eben noch hat man Fachliteratur gewälzt und nächtelang vor dem PC gesessen um die Bachelorarbeit zu schreiben und nun soll man plötzlich ein Projekt koordinieren, Leute deligieren und kann das, was man gepaukt hat, überhaupt nicht anwenden.

Zum einen liegt die Aufgabe da ganz klar in der Verantwortung der Unternehmen. Sie müssen eine Nachqualifizierung bieten und entsprechende Trainee- Angebote schaffen, die den jungen Arbeitnehmer eben genau auf das vorbereiten, was später von ihm erwartet wird. Kein Student kommt aus dem Hochschulbetrieb und fügt sich nahtlos in den Praxisalltag ein. Um Berufsanfänger langfristig zu halten, muss Zeit investiert werden.

Sich informieren und aktiv werden sind das A und O!

Aber auch Studenten können den Wert des Bachelorabschlusses selbst aktiv steigern. Am besten ist es, wenn man sich für seine Bachelor-Abschlussarbeit an ein Unternehmen richtet und das Thema branchen- und unternehmensnah festlegt - dies garantiert später auch bessere Chancen bei Bewerbungen und signalisiert, dass man das Bachelorstudium gut durchdacht hat. Wer seine Chancen auf dem Arbeitsmark künftig noch mehr steigern will, dem rät auch Schweitzer von der DIHK an das Bachelorstudium noch eine Masterarbeit ranzuhängen. Besonders in der Forschung, aber auch immer mehr im öffentlichen Dienst, zum Beispiel als Lehrer, wird der Masterabschluss vorausgesetzt.

Übrigens: Wer studieren geht, um später besser zu verdienen, informiert sich besser vorab gründlich über die jeweiligen Branchen. Ein Bachelorstudium lohnt sich in erster Linie für Berufe wie Informatiker oder Ingenieur. BWLer verdienen vergleichsweise eben soviel wie kaufmännische Angestellte, nur dass diese viel schneller, nämlich per (dualer) Ausbildung ans Ziel gelangen.