Gedanken verbinden sich – aber mit Binde- oder Gedankenstrich?

Der Unterschied zwischen Binde- und Gedankenstrich liegt oberflächlich gesehen nur in seiner Länge. Doch manchmal kommt es eben doch auf die Größe an – so kann er zu einer immensen Bedeutungsverschiebung führen.

Gedanken verbinden sich – aber mit Binde- oder Gedankenstrich?
© Elnur
Erstellt von LAS-Redaktion vor 4 Monaten
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Man sieht sie überall: Kaum ein Text kommt ohne diese simplen, aber essentiellen Zeichen aus, sie sind das, was die Gedanken in Schriftform im Inneren zusammenhält – Gedanken- und Bindestriche. Und schon haben diese Interpunktionszeichen, die sich aufgrund ihrer waagerechten Position zum Verwechseln ähnlichsehen, Anwendung gefunden, ohne dass dabei auch nur ein Gedanke daran verloren wurde. Dabei lohnt es sich, diese typografischen Gefährten – oder vielmehr Gevierten, man nennt sie nämlich auch Geviertstriche – ins Bewusstsein zurückzurufen.

Geviertstriche

Ein Geviert ist die altdeutsche Bezeichnung für Quadrat und stammt aus der Zeit, als noch Lettern aus Blei Texte auf Papier gedruckt haben. Die Größe bzw. Länge, der Fläche, die nicht bedruckt wird, also der Abstand zwischen Wörtern und Satzzeichen, kann dabei ein Geviert, ein Halbgeviert (entspricht der Länge eines Gedankenstrichs) oder ein Viertelgeviert (entspricht der Länge eines Bindestrichs) lang sein.

Verwendung von Bindestrichen

Silbentrennung

Wenn Kinder in der Schule klatschen, haben sie entweder Musikunterricht, hausaufgabenfrei oder lernen die Silbentrennung. Schon früh bekommen wir also ein Gefühl dafür, wie Wörter zu trennen sind. In handschriftlichen Texten kommt der Viertelgeviertstrich zum Einsatz, sobald das Ende einer Zeile erreicht wird und das Wort die Begrenzung in voller Länge überschreiten würde. Diese Worttrennung kann pro Silbe erfolgen, wobei eine Silbe in der Regel nur einen Vokal enthält. Ausnahmen bilden Doppelvokale, die sogenannten Diphthongen (ei, eu, au, ai, äu, oi).

Das Wort Bindestrich enthält drei Sprechsilben und ließe sich also an zwei Stellen trennen (Bin-de-strich).

Entgegen veralteten Rechtschreibregeln tut es tz und st nicht mehr weh, getrennt zu werden. Sobald sie die Bindestelle zwischen zwei Silben bilden, wie im Wort Kat-ze, ist die Trennung an dieser Stelle legitim. Ch, ck und sch sind allerdings weiterhin empfindlich, sodass sie wie im Wort Fi-sche zusammenbleiben wollen. Einzelne Vokale, obwohl sie als eine Silbe gelten, stehen ebenfalls ungern allein, weshalb das Wort Esel nicht getrennt werden kann.

Die meisten Textverarbeitungsprogramme nehmen jedoch eine automatische Silbentrennung vor, sodass man sich keine Gedanken mehr darum machen muss.

Zusammensetzungen

Trotz Autokorrektur ist manchmal noch Selbstdenken angesagt: Wenn Wörter mit Abkürzungen, Zahlen, Eigennamen, anderen Wortgruppen oder anderssprachigen Wörtern aufeinandertreffen, handelt es sich um Komposita bzw. Durchkopplungen. Hier muss ein Bindestrich gesetzt werden:

BVG-Fahrausweis

50-prozentige Wahrscheinlichkeit

Frau Leutheusser-Schnarrenberger oder Mecklenburg-Vorpommern

Kopf-an-Kopf-Rennen

Service-Mitarbeiter

Doch auch hier gilt: Weniger ist manchmal mehr. Auch wenn z.B. Käsekuchen eine Zusammensetzung aus Käse und Kuchen ist, ist ein Bindestrich hier nicht nötig. Gleiches gilt für die Magenschmerzen nach dem Verzehr desselbigen (“Magen-Schmerzen” hat schließlich niemand gern).

Während man es oft zu gut mit dem Bindestrich meint, wird er bei Anglizismen gerne vergessen. Auch wenn die ursprüngliche Schreibweise keinen Bindestrich erfordert, wird bei der Übernahme in den deutschen Sprachgebrauch aus Schminke Make-up.

Prinzipiell gilt: Eine Verwendung des Bindestrichs ist sinnvoll, wenn er für eine bessere Übersicht sorgt, beispielsweise wenn Tätigkeiten versubstantiviert werden: Das Aus-der-Haut-Fahren erhält damit eine bessere Lesbarkeit, das Fahrradfahren ist hingegen wegen seiner Kürze bereits übersichtlich genug.

Wiederholungen von Prä- oder Suffixen

Manchmal haben Wortzusammensetzungen die gleiche Endung, sodass eine Wiederholung auftreten würde, wie bei Präfixen und Suffixen. Um hier die doppelte Nennung von “-ixen” zu vermeiden, wird es einfach zu Prä- und Suffixen abgekürzt.

Verwendung von Gedankenstrichen

Vom Viertelgeviertstrich kommen wir zum Halbgeviertstrich: Die Verwendung des Gedankenstrichs ist seltener als die des Bindestrichs. Dennoch kann man sie als Verschriftlichung eines Vorgangs verstehen, der in der gesprochenen Sprache sehr häufig auftritt: eine gedankliche Pause oder ein Einschub.

Denkpausen und Einschübe

In einem Satz kann ein Gedankenstrich eine gedankliche Pause oder einen Gegensatz kennzeichnen – im Unterschied zu Doppelpunkten, die meist eine Auflösung, Erklärung oder Aufzählung nach sich ziehen. Auch kann er mit etwas Unerwartetem Spannung zu erzeugen – weshalb er von vielen gefürchtet wird.

Bei zu langen Schachtelsätzen können Gedankenstriche anstelle von Kommata oder Klammern – vor allem dann, wenn dadurch etwas hervorgehoben werden soll – zu einem besseren Verständnis eines Satzes beitragen.

Bis-Strich

Auf Hinweisschildern kann der Halbgeviertstrich das bis ersetzen: Wenn ein Geschäft von montags bis freitags geöffnet hat, sollten die Öffnungszeiten an der Tür korrekterweise als Montag – Freitag ausgeschrieben sein.

Streckenstrich

Bei Entfernungsbeschreibungen hilft sogar eine Eselsbrücke: So lang, wie die Strecke ist auch der Strich, nämlich ein Halbgeviert lang. Wer also regelmäßig von Hamburg nach München reist, legt die Strecke Hamburg – München zurück.

Dialoge

In der Verschriftlichung von Gesprächen sind Interpunktionszeichen schon fast als Regieanweisungen zu verstehen. Sie übersetzen die Eigenheiten der gesprochenen Sprache und beleben trockene Dialoge.

“Wem es die Sprache verschlägt, ist nicht mehr in der Lage, Sätze zu Ende –”

Oder wenn sich zwei Personen unterhalten, kann ein Halbgeviertstrich den Sprecherwechsel anzeigen und so die unnötige Wiederholung von Namen vermeiden: “Kennst du die Regeln von Binde- und Gedankenstrichen?” – “Jetzt schon.”

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