Willst du mit mir geh’n? Durchkopplung, ¡Olé!

Die deutsche Sprache eignet sich sehr für die Zusammensetzung von einzelnen Wörtern zu einem neuen. Werden sie mit Bindestrichen verbunden, spricht man von Durchkopplung.

Willst du mit mir geh’n? Durchkopplung, ¡Olé!
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Erstellt von LAS-Redaktion vor 1 Woche
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Komposita und Durchkopplung

Die deutsche Sprache eignet sich sehr für die Zusammensetzung von einzelnen Wörtern zu einem neuen. Wie mit Legosteinen können ständig neue Wörter gebaut werden, ohne dass dafür zum Beispiel Präpositionen nötig sind. Kompakt und praktisch. Wer auf dem Weg vom eigenen Manuskript zum Buch ist, wird neue Wörter erfinden und dies schätzen.

Statt: Verlag, der Rezeptbücher für Apfeltorten verlegt, können Autoren auch komprimiert schreiben: Apfeltortenrezeptbuchverlag. Und die Grundregel dafür ist einfach: die einzelnen Wörter werden ohne Leerzeichen zusammengesetzt. Manchmal gibt es ein sogenanntes Fugenelement, das die Wortteile kittet: Badetuch, Rindsbraten, Deckenleuchte oder Herzensangelegenheit sind dafür Beispiele.

Gibt es mehrere Wörter, die das Hauptwort näher bestimmen, so wird mit Bindestrichen angezeigt, welche Elemente alle zum neuen Wort gehören. September-Oktober-Heft bezeichnet somit ein einzelnes Heft, in dem zwei Monate enthalten sind. Wichtig ist, dass alle Wortbestandteile mit Bindestrichen verbunden sind. Diese Praxis hört auf den schönen, technisch klingenden Namen Durchkopplung.

Sind bei einem neuen Substantiv Adjektive mit im Spiel, ist darauf zu achten, dass auch der erste Teil zum Substantiv gehört und großgeschrieben wird: In-dubio-pro-reo-Grundsatz. Wenn das neue Wort nicht zu schwer zu erfassen ist, kann auf die Bindestriche verzichtet werden: Rotgrünblindheit.

Wird ein substantivierter Infinitiv mit mehreren Wörtern näher bestimmt, wird ebenfalls durchgekoppelt. Das Aus-der-Haut-Fahren ebenso wie das In-den-April-Schicken. Sind es nur zwei Elemente, die zusammengefügt werden, wird zusammengeschrieben: das Sichausweinen ebenso wie das Sichtrösten.

Eigennamen

Eigennamen sind eine Klasse für sich. Sie sind in den amtlichen Rechtschreibregeln davon ausgenommen, auf Leerzeichen verzichten müssen. Als allgemeiner Hinweis gilt, dass sie so geschrieben werden, wie sie amtlich festgelegt sind.

Werden Eigennamen ausgezeichnet (In Klammern oder zum Beispiel kursiv gesetzt), dann bleiben die Leerzeichen erhalten, der Rest wird mit Bindestrich angeschlossen. (»25 Jahre XYZ«-Feier, Harry Potter-Bände). Werden sie nicht ausgezeichnet, wird durchgekoppelt: Herr-der-Ringe-Trilogie.

Auch Verlagsnamen sollten durchgekoppelt werden, dies wird aber aus grafischen Gründen oft unterlassen.

Straßennamen

Straßennamen, die auf mehrteilige Personenname zurückgehen, werden durchgekoppelt. In Österreich und der Schweiz weicht die Praxis ab. Teilweise werden Straßennamen nur mit einem Bindestrich geschrieben. So findet man in Basel die Arnold Böcklin-Strasse, in der Nähe von Berlin hingegen die Arnold-Böcklin-Straße.

Komposita und Durchkopplungen in Fremdwörtern

Grundsätzlich gelten für Fremdwörter die gleichen amtlichen Rechtschreibregeln.

Allerdings kann statt Come-back auch Comeback geschrieben werden, Check-in und Make-up können jedoch nicht zusammengeschrieben werden. Zusammengeschrieben wird, wenn sich in der eingedeutschten Variante die ursprüngliche Reihenfolge verändert hat: Output, von put out oder Upgrade von grade up.

Abenteuerlich wird’s bei Zusammensetzungen aus Fremdwörtern und einem Mix aus deutschen und Fremdwörtern. Wie geht man professionell damit um, wenn ein Entwurf zu einem Corporate Design vorliegt und daraus ein Wort werden soll?

Es gilt, dass sich das neue Wort den Regeln der deutschen Rechtschreibung anzupassen hat. Also: zusammen- oder mit Bindestrich schreiben. Dann könnte man einen Corporatedesignentwurf verfassen und über Desktoppublishing schreiben, die beide allerdings sperrig zu lesen sind.

Daher wird mit Bindestrichen für gutes Lesen und einen Corporate-Design-Entwurf sowie Desktop-Publishing gesorgt. Ohne (Deppen-)Leerzeichen zwischen den Wörtern. Schön liest sich auch die Begründung im Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle dazu:

Die Schreibung mit Bindestrich beruht hier nicht auf einer besonderen Regel. Vielmehr gestaltet sie die Wörter übersichtlicher und gleichzeitig ist sie ein Merkmal ihrer partiellen Fremdheit.

Alles klar?

Quelle

Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle, 8., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Bibliographisches Institut GmbH, Berlin, 2016.

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