Patentrezept oder Aberglaube? 5 Lernmythen im Realitätscheck

Sie sind so hartnäckig wie der Kaugummi unter dem Hörsaaltisch: Lernmythen prasseln ab der ersten Klasse auf uns ein und lassen uns oft bis zum akademischen Abschluss nicht mehr los. Die harte Realität holt einen aber manchmal schneller ein, als die nächste Klausur vor der Tür steht.
Patentrezept oder Aberglaube? 5 Lernmythen im Realitätscheck
© Elnur
Erstellt von LAS-Redaktion vor 8 Monaten
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Lernen ist für die meisten Menschen alles andere als fantastisch, trotzdem ranken sich viele Mythen um dieses Thema. Was viele aber für den Masterplan halten und als Patentlösung weiterverbreiten, ist häufig nicht mehr als Aberglaube oder der Versuch, das eigene Gewissen zu beruhigen. Ein ruhiges Gewissen hingegen ist tatsächlich eine gute Voraussetzung für die Klausurvorbereitung – ganz im Gegensatz zu diesen fünf Lernmythen, die sich hartnäckig halten.

1.Traubenzucker zur Gedächtnissteigerung

Er stapelt sich neben Schreibutensilien auf Tischen oder schmilzt langsam in schwitzigen Schulkinderhänden: Der Traubenzucker verspricht jungen Menschen das, was der Kaffee für unausgeschlafene Nine-to-five-Jobber ist. Leider geht die Wirkung tatsächlich nicht weit darüber hinaus – wer Traubenzucker vor oder bei einer Prüfung zu sich nimmt, steigert nicht etwa die Gedächtnisleistung, sondern erhält einen sehr kurzen Energieschub durch eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Genauso, wie dieser in die Höhe schießt, geht er jedoch danach wieder in den Keller. Dieser Tiefpunkt kann den vorherigen Spiegel sogar unterschreiten, sodass das Gegenteil der erwarteten Leistungssteigerung eintritt.

2. Auswendiglernen statt Verstehen

Trotz der zuvor gesetzten smarten Ziele ist der Stoff einfach zu komplex und die Nebenwirkungen des zuvor konsumierten Traubenzuckers setzen ein, sodass das Gehirn nicht mehr aufnahmefähig ist. Für viele bedeutet das: Planänderung! Statt weiter zu versuchen, die Relativitätstheorie zu verstehen, werden also einfach blind Formeln auswendig gelernt (oder auf den Spickzettel geschrieben). Da das Auswendiglernen die Inhalte jedoch eher im Kurzzeitgedächtnis abspeichert – nicht umsonst heißt es auch Bulimie-Lernen – sind diese nach der Leistungsabfrage nicht mehr lange verfügbar und müssen womöglich für Folgeklausuren neu gelernt werden. Effektiver ist es, mehr Energie in das Verstehen zu investieren und so in stressigen Klausurmomenten einen kühlen Kopf zu bewahren statt sich verkrampft an alles erinnern zu müssen, was man sich am Abend zuvor hineingeprügelt hat.

Leider gibt es auch für alle Verfechter des Gehirnjoggings schlechte Nachrichten: Wer Rätselaufgaben löst und Memory spielt, wird nur in exakt diesen Tätigkeiten besser. Eine Leistungssteigerung für andere Kompetenzen rund ums Lernen impliziert das Freizeittüfteln jedoch nicht. Die gute Nachricht: Tatsächliches Joggen an der frischen Luft ist ein Sport, der sich sehr wohl positiv auf die Konzentration und mentale Leistungsfähigkeit auswirkt.

3. Unter Druck lernt es sich besser

Jeder kennt es: Prokrastination, ein akuter Fall von Aufschieberitis, führt unweigerlich zu einem großen Zeitdruck vor anstehenden Prüfungen oder Hausarbeiten. Viele behaupten steif und fest, dieser Druck würde sie produktiver machen. Die Wahrheit jedoch ist, dass Stresshormone die Gedächtnis- und Aufnahmeleistung des Gehirns beeinträchtigen können. Dies ist evolutiv so angelegt: Wenn Menschen früher auf einen Säbelzahntiger trafen, war es nicht nötig, lange darüber nachzudenken oder möglichst viele Zusatzinformationen aufzunehmen – der Körper wurde durch Stresshormone in den Fluchtmodus versetzt und so das Überleben gesichert. Wer jedoch das Überleben mit dem Bestehen der Klausur gleichsetzt (und nicht unbedingt auf eine gute Note angewiesen ist), könnte mit dieser Methode dennoch sein Ziel erreichen.

4. Morgenstund’ hat Gold im Mund

Dies ist wohl der einzige Lernmythos, dessen Unwahrheit für viele eine gute Nachricht ist: Der frühe Vogel fängt nämlich nicht immer den Wurm. Dabei haben wir kaum eine Wahl, denn der Tagesrhythmus wird uns von Kindesbeinen an auferlegt. Zuerst beginnt die Schule um 8 Uhr, dann vielleicht die Uni und später erfordert es die Arbeitszeit, früh oder gar noch früher aufzustehen. Dabei ist es statistisch belegt, dass es Tag- und Nachtmenschen gibt und dass die beste Konzentrationszeit für einen Großteil der Bevölkerung nicht in den Morgenstunden liegt. Gerade Kinder sind morgens häufig noch nicht leistungs- und aufnahmefähig. Herauszufinden, ob man zu den Eulen oder Lerchen gehört, ist jedoch ein Prozess und sollte nicht zur Ausrede werden, wenn man sich einfach nur die Nacht um die Ohren geschlagen hat.

5. Das Genie beherrscht das Chaos

Es ist ein beliebtes Bild, der unaufgeräumte Schreibtisch eines verstreuten Professors – Bücherstapel, lose Zettel und mittendrin: Das Genie. Wenn man vor Ideen sprießt, leidet schon einmal die Ordnung darunter. Chaos ist jedoch nicht gleich Kreativität, zumal Lernen auch nicht zwingend eine kreative Handlung sein muss. Eine unaufgeräumte Umgebung kann für Ablenkung und unnötige Frustration über unauffindbare Dinge sorgen. Der Vorgang des Aufräumens kann hingegen nicht nur Ordnung in der Wohnung, sondern auch Ordnung im Kopf schaffen: Sich von unnötigen Dingen zu trennen – solange es nicht der Lernzettel ist – kann befreiend wirken und ist das Gehirn erst einmal in einem Ordnungsmodus, fällt womöglich auch das Ordnen der Gedanken und des Lernstoffs leichter.

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