Drehbuch schreiben

Der TV-Markt verlangt nach innovativen Drehbüchern. Wie ist ein Drehbuch aufgebaut? Wie schreiben Autoren Drehbücher für Filme und Serien? Und wer hilft beim Schreiben eines Drehbuchs?

Drehbuch schreiben
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Der neue Markt: Das Goldene Zeitalter des Fernsehens

Das Image von Fernsehserien hat sich seit der Jahrtausendwende drastisch geändert. Vorher selten spektakuläres Unterhaltungsmedium werden Serien derzeit als Medium wahrgenommen, das innovativ erzählen kann und sogar als Romanen ebenbürtig erlebt wird. Auslöser für eine seitdem anhaltende Begeisterung für das Format ist die US-amerikanische Krimi-Drama-Serie "The Wire". Die Serie erzählt vom Drogenhandel in einer Kleinstadt aus verschiedenen Perspektiven. Ein Paukenschlag an positiven Rezensionen begleitete die 2002 erstausgestrahlte Staffel. Eingeschlagen haben die realistische Zeichnung der Figuren, deren Charaktere sich über die Staffeln hinweg weiterentwickeln. Komplexe Figuren und Handlungsstränge sowie eine größere Freiheit in der Art, die Geschichten zu erzählen, sind seitdem Kennzeichen der neuen Serienlandschaft.

Während in den USA auf Grund des Serienbooms bereits seit Jahren von dem "Goldenen Zeitalter des Fernsehens" die Rede ist, scheint die Entwicklung in Deutschland eher verhalten. Wenn auch das Innovationspotenzial der deutschen Sender geringer ausfällt, ist der Umbruch des Marktes auch hier zu spüren. Während der Markt bereits aufgeteilt schien unter US-amerikanischen Streamingdiensten und Pay-TV-Anbietern, stieg 2017 ein Mobilfunkbetreiber ins deutsche Seriengeschäft mit ein. Aber auch in den USA gerät der Markt wieder in Bewegung. Dort hat Apple mit erheblichem Budget begonnen, in die Produktion von exklusiven Serien einzusteigen. Ob Sender, Pay-TV-Anbieter, Mobilfunkbetreiber oder Technologiekonzern: Sie alle sind hungrig auf neue Drehbücher und suchen erfindungsreiche Drehbuchautoren, die mitreißend ein Drehbuch schreiben können.

Definition: Was sind Drehbücher und wozu werden sie benötigt?

Drehbücher sind Zwitterwesen zwischen Roman und Film. In ihnen werden Geschichten festgehalten, die dann nach der Produktion auf der Leinwand oder dem Tablett-Screen zum Leben erwachen. Film und Fernsehen sind kollektive und kostenintensive Arbeit. Bis das selbst kreierte Universum im Licht des Kinoprojektors die Welt anblickt, können einige Jahre vergehen.

Drehbücher sind Transiträume und so liegen sie selten in der Auslage von Buchläden. Sie fixieren eine Geschichte, die von anderen verfilmt wird. Dazu gehört, dass der fiktionale Kosmos von Autoren ab einem bestimmten Punkt in der Stoffentwicklung immer in Kooperation mit anderen entsteht. Auf Basis von Drehbüchern bzw. deren Vorstufen, wie Synopsis oder Treatment, entscheiden Redakteure, Produzenten und Filmförderungen, ob sie die Geschichte spannend finden und Geld dafür zur Verfügung stellen. Damit geht einher, dass Produzenten und Redakteure eigene Ideen an das Drehbuch herantragen und direkt oder indirekt mit am Drehbuch schreiben. Und sobald es in die Produktion geht, heißt es, zurückzutreten und sich überraschen zu lassen, wie der Regisseur bzw. die Regisseurin mit den Schauspielern und allen anderen Beteiligten Leben ins Drehbuch bringt.

Was unterscheidet ein Drehbuch von einem Roman?

Drehbuchautoren unterliegen beim Schreiben – trotz neuer erzählerischer Freiheiten im Serienbereich – stärker Formatvorgaben als Autoren, die Romane schreiben. Gründe dafür sind, dass Film und Fernsehen in der Produktion i.d.R. teurer sind als Literatur. Außerdem müssen gerade im TV-Bereich die Geschichten in das vorgegebene Programmkorsett des Senders passen. Auch bei Drehbüchern für Kinofilme ist zu beachten, dass die Aufmerksamkeit des Publikums nicht unendlich ist. Daraus ergibt sich, dass die Zeit, in der eine Geschichte erzählt wird, begrenzter ist. Alle Informationen, egal ob zu den Figuren oder zur Handlung, müssen eine Funktion für das Ganze haben. Sie müssen die Handlung voranbringen oder zumindest eine Grundierung für eine spätere Handlung sein.

Ein markanter Unterschied im Vergleich zu Romanen besteht auf der Ebene des Mediums darin, dass Drehbücher trotz Dialoge visuell erzählen. Drehbuchautoren haben die Fähigkeit, mit Buchstaben Bilder zu malen. Damit geht einher, dass die Innenwelt von Figuren in Drehbüchern selten über Monologe erzählt werden sollte, auch wenn dies z. B. über das sogenannte Voiceover möglich ist. Zu lange Einblicke in die Innenwelt einer Figur bremsen die Spannung eines Filmes. Während in Romanen Figuren über längere Passagen den Leser an ihren Gedanken, Gefühlen und Überlegungen teilhaben lassen können, ist die Innenwelt von Figuren im Drehbuch über ihr Verhalten dem Publikum zugängig. Das Drama im Film, im Drehbuch, entsteht über die Konflikte der Figuren, die auch, aber nicht ausschließlich, über Dialoge gezeigt werden können. Wer Drehbuchautor werden will, muss sich mit Mitteln vertraut machen, mit denen Innenwelten von Figuren visuell erzählt werden können. Ein Drehbuch schreiben heißt, einen Film schreiben.

Wie ist ein Drehbuch aufgebaut?

Formal

Formal besteht ein Drehbuch aus Szenenüberschriften, Szenenbeschreibungen, Szenenübergängen, Dialogen und Spielanweisungen. Beim Schreiben können sich Autoren daran orientieren, dass eine Minute Filmlänge circa einer Seite Drehbuch entspricht. Für das Schreiben von Drehbüchern haben sich, ausgehend von Hollywood, über die Jahre Standards entwickelt. In ihrer Optik unterscheiden sich Drehbücher dabei deutlich von Romanen. Ihr Zweck ist es, immer eine klare Orientierung bieten zu können, an welcher Stelle sich die Geschichte gerade befindet. Dafür werden Dialoge zentriert geschrieben, jede Szene hat ihre eigene Überschrift und so weiter. Die genauen Vorgaben finden angehende Drehbuchautoren in zahlreichen Portalen und Blogs im Internet.

Narrativ

Während der formale Aufbau leicht zu erlernen ist und eins zu eins kopiert werden kann, ist der narrative Aufbau für den Drehbuchanfänger langwieriger zu erlernen. Zunächst stellt sich, wie bei allen anderen Kunstformen, die Frage, ob Kunst wie ein Handwerk, beispielsweise das Zimmern eines Tisches, erlernbar sei. Mit Blick auf Hollywoodfilme und die Regalmeter Drehbuchliteratur, die es dazu bereits gibt, ist das Schreiben eines Drehbuchs als erlernbares Handwerk zu verstehen. Welche Drehbücher später mit einem Oscar zur Kunstform geadelt werden, zeigt die Zukunft.

Wichtig ist, dass das Schreiben eines Drehbuches ähnlich viel Zeit veranschlagt, wie das Schreiben eines Romans. Auch wenn es zunächst nach weniger Buchstaben aussieht, die auf eine Seite zu bringen sind: in einem Drehbuch ist alles komprimiert. Autoren, die ein Drehbuch schreiben, haben keinen Platz für Geschwafel, jedes Wort sollte eine Funktion für die Charakterisierung von Figuren und die Entwicklung der Handlung haben.

Woraus besteht nun aber die Erzählung im Drehbuch? Es gilt, die zwei Aspekte von Figuren und Struktur zusammenzubringen. Für beides gibt es Modelle. Zunächst eines, das den Fokus auf die Figuren legt, danach Modelle, die etwas Licht in den strukturellen Aufbau bringen.

Figuren

Das prominenteste Modell für die Entwicklung von Figuren ist ein Buch, das Christoph Vogler – Autor und u.a. Leiter der Stoffentwicklungsabteilung von Twentieth Century Fox – geschrieben hat. In "Die Odysee des Drehbuchschreibers" (1997) beschreibt Vogler verschiedene Phasen, die eine Figur durchläuft, um ein Held oder eine Heldin zu werden. Dieses Modell nutzen alle großen Blockbuster sowie viele andere Filme, wie z.B. "American Beauty" (1999, Regie: Sam Mendes, Drehbuch: Alan Ball). Dabei verlässt die Hauptfigur, ausgelöst durch ein Ereignis, ihre bekannte Welt. Diesen Schritt unternimmt die Heldin bzw. der Held mit einem konkreten Ziel, das sie in eine neue Welt führt. Auf dem Weg dorthin wird die Figur mit unterschiedlichen Herausforderungen und Hindernissen konfrontiert, die sie überwinden muss. Gelingt es der Figur, diese zu überwinden, kehrt sie mit neuem Wissen in ihre alte Welt zurück. Das spannende an dieser äußeren Reise ist, dass sich während ihr auch die Figur innerlich verändert. Sie verändert ihre Haltung zur Welt und kehrt als neue Figur in ihre alte Welt zurück.

Für diese universale Erzählstruktur hat Vogler vor allem auf zwei Quellen zurückgegriffen: Zum einen auf die Studien des Mythenforschers Joseph Campbell "A Hero with a thousand faces" und zum anderen auf die Archetypenlehre des Psychologen Carl Gustav Jung. Für angehende Drehbuchautoren sind diese drei Bücher Pflicht.

Struktur

Es gibt verschiedene Modelle, die es Autoren erleichtern, ihr Drehbuch zu planen. Das einfachste ist die Dreiaktstruktur. Sie geht davon aus, dass ein Drehbuch zunächst eine Exposition beschreibt, anschließend die Konfrontation der Hauptfigur mit Gegenkräften sowie im dritten Schritt die Auflösung der widerstreitenden Kräfte zeigt. Das Modell geht auf Aristoteles zurück, der in seiner Dramenpoetik in Bezug auf Tragödien sagt, dass sie aus den drei Elementen "Anfang, Mitte und Ende" bestehen. In der Drehbuchliteratur hat der amerikanische Autor Syd Field dieses Modell stark bekannt gemacht. Jeder Akt endet mit einem sogenannten Plot Point, der die Handlung in eine neue Richtung lenkt und gleichzeitig eine Überleitung zum nächsten Akt ist.

Zu diesem Modell der drei Akte gibt es zahlreiche Differenzierungen, die beim Drehbuchschreiben helfen können. Sehr verbreitet ist noch das Modell der 8 Sequenzen, das ein Drehbuch in acht Untereinheiten – Sequenzen – einteilt. Eine Sequenz ist eine abgeschlossene Handlungseinheit. Außerdem existieren viele noch kleinteiligere Modelle, die mit vielen Einzelschritten – Steps – arbeiten. Diese Steps sind auch als Abfolge angelegt, sind aber freier in der Kombination als die vorigen Strukturmodelle. Sehr verbreitet sind zudem die 22 Story Steps von John Truby sowie die 16 Story Steps von Keith Cunningham. Ist das Drehbuch schon nahezu fertig geschrieben, helfen die Beats Sheets, die Blake Snyder entwickelt hat, um beim Drehbuchschreiben nicht den Überblick zu verlieren.

Wer hilft mir beim Drehbuchschreiben?

Ziel vieler professioneller Drehbuchautoren ist es, von einer Drehbuchagentur unter Vertrag genommen zu werden. Bis dahin ist der Weg voller Herausforderungen. Zunächst gibt es Unmengen an Drehbuchliteratur, die einem beim Schreiben helfen. Dieser Berg an Drehbuchliteratur kann gerade Autoren, die zum ersten Mal ein Drehbuch schreiben, auch sehr verwirrend erscheinen. Welches ist die richtige Methode? Wie läuft das Schreiben eines Drehbuchs ab? Für alle, die als Quereinsteiger zum Schreiben kommen, ist es hilfreich, sich mit anderen auszutauschen und zu vernetzen. Dazu gibt es viele Möglichkeiten. In fast allen Städten gibt es Drehbuchautoren und Dramaturgen, die Seminare zum Drehbuchschreiben anbieten. Dort lernen Autoren das Handwerk des Drehbuchschreibens, üben in kleiner Runde das Entwickeln von Szenen und tauschen sich über den Schreibprozess und die Filmbranche aus. Aber auch für alle etablierten Drehbuchautoren, lohnt es sich, sich in Workshops weiterzubilden.

Weil Schreiben zeitweise ein einsames Geschäft ist, helfen partner in crime. Über Portale wie beispielsweise Meetup lassen sich in allen Städten Komplizen zum Drehbuchschreiben finden. Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich frühzeitig und konstant Feedback einzuholen. Eine Binsenweisheit des Schreibens von Drehbüchern sagt, dass Schreiben Umschreiben heißt. Auch dafür finden sich Gleichgesinnte über Internetportale.

Das A und O neben regelmäßigem Drehbuchschreiben ist, wie bei allen Autoren, die Vernetzung. Eine weitere gute Möglichkeit dafür bieten Verbände wie der Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD), der Freie Deutsche Autorenverband Berlin (FDA Berlin) sowie der Verband für Film- und Fernsehdramaturgen (VeDRA). Fortgeschrittenen Drehbuchautoren helfen Dramaturgen, die auf die Analyse von Drehbüchern spezialisiert sind. Mit einem Lektorat erhalten Drehbuchautoren eine kurze schriftliche Einschätzung des eigenen Drehbuchs. Für eine noch individuellere professionelle Betreuung lohnt sich eine längere dramaturgische Beratung. Grundsätzlich ist es vor allem beim ersten Drehbuch empfehlenswert, sich professionelle Unterstützung zu holen. Lektorate von erfahrenen Autoren helfen dabei, wieder einen distanzierteren Blick auf das eigene Drehbuch werfen zu können. Eine langfristig angelegte, dramaturgische Beratung kann sehr wertvoll sein für den eigenen Kreativitäts- und Schreibprozess.

Autoren finden auf Lass-andere-schreiben.de

Während der langen Entwicklungsphase eines Drehbuchs können sich Drehbuchautoren Hilfe holen. Hilfe bei der Unterstützung bietet das Portal Lass-andere-schreiben.de. Auf dieser Plattform können Drehbuchautoren angeben, welche Form der Mithilfe sie benötigen. Sie können dazu kostenfrei ein Inserat aufgeben, in dem sie als Auftraggeber beschreiben, ob sie einen Experten für die Dialog- oder Szenengestaltung brauchen oder ein Lektorat möchten, um den Stand ihres Buches besser einschätzen zu können. Die von der Plattform verifizierten Experten geben im Anschluss, unverbindlich, Gebote ab.

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